Arthrofibrose am Knie – Bloß keine weitere Operation!

ENDOPROTHETICUM Rhein-Main / Prof. Dr. med. K.P. Kutzner

Warum eine Operation bei Arthrofibrose meist nicht hilft

Arthrofibrose ist eine der gefürchtetsten Komplikationen nach Knieoperationen wie der Knieendoprothetik oder der Kreuzbandrekonstruktion. Die Erkrankung ist gekennzeichnet durch die Bildung von überschießendem Narbengewebe im Knie, das zu einer deutlichen Bewegungseinschränkung, Schwellung und oft auch erheblichen Schmerzen führt. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über die Ursachen, Symptome, Diagnostik und insbesondere die effektiven Therapiewege bei Arthrofibrose am Knie – unter besonderer Berücksichtigung alternativer Ansätze und Therapieschemata.


Was ist Arthrofibrose?

Arthrofibrose beschreibt eine krankhafte überschießende Narbenbildung im Kniegelenk nach chirurgischen Eingriffen oder Verletzungen. Dabei wird die normale Heilungsreaktion des Gewebes gestört, was zu einer Vermehrung von kollagenhaltigem Narbengewebe führt. Dies verursacht eine Einengung des Gelenkraums und eine eingeschränkte Beweglichkeit des Kniegelenks.


Ursachen und Risikofaktoren der Arthrofibrose

Chirurgische Eingriffe als Hauptursache

Die Arthrofibrose tritt oft nach Eingriffen wie Knieendoprothesen, Kreuzbandrekonstruktionen oder arthroskopischen Operationen auf.

Risikofaktoren

  • Mehrfache Operationen
  • Überdehnte Mobilisation nach der Operation
  • Infektionen im Gelenk
  • Genetische Veranlagung zu Narbenbildung
  • Unzureichende postoperative Physiotherapie


Symptome der Arthrofibrose

  • Eingeschränkte Beweglichkeit: Typisch sind Streckdefizite und ein begrenzter Beugewinkel.
  • Schmerzen: Dumpfe Schmerzen oder ein Spannungsgefühl sind charakteristisch.
  • Schwellung: Betroffene berichten häufig von persistierenden „Schwellknien“.
  • Steifes Gefühl: Viele Patient:innen fühlen sich, als wäre ihr Knie „blockiert“.


Warum weitere Operationen oft nicht zielführend sind

Eine noch immer weitverbreitete Behandlungsoption bei Arthrofibrose ist der chirurgische Eingriff zur Entfernung des Narbengewebes. Jedoch birgt dies hohe Risiken:

Gefahr einer erneuten Narbenbildung

Nach einer Revision tritt häufig eine erneute Arthrofibrose auf, da der chirurgische Reiz die Narbenbildung weiter ankurbelt.

Fehlende langfristige Ergebnisse

Studien zeigen, dass der Erfolg einer weiteren Operation nur kurzfristig anhält, während sich die Beschwerden nach wenigen Monaten oft wieder verschlechtern.

Mobilisation in Narkose

Eine forcierte Bewegung unter Narkose kann Mikrotraumata verursachen, die das Problem verschärfen, anstatt es zu lösen. Auch eine Narkosemobilisation sollte daher heute sehr kritisch gesehen und sorgfältig abgewogen werden.


Alternative Therapiewege

Statt aggressiver chirurgischer Eingriffe (schlechte Ergebnisse) setzen moderne Therapieansätze auf konservative und ganzheitliche Maßnahmen.

Therapieschema zur Unterdrückung des Narbenbildungs-Reizes

Es wurden spezielle multimodale Konzepte entwickelt, welche auf minimalinvasive und konservative Techniken setzen, um die Arthrofibrose effektiv zu behandeln:

  • Manuelle Lymphdrainage: Schwellungen werden reduziert, um die Mobilität zu verbessern.
  • Wärme- und Kältetherapie: Wechselanwendungen wirken entzündungshemmend und schmerzlindernd.
  • Schonende Bewegungsübungen: Ziel ist es, die Beweglichkeit schrittweise wiederherzustellen, ohne neuen Reiz zu setzen.
  • Physiotherapeutische Maßnahmen: Sanfte Manipulation des Gewebes reduziert Verklebungen.


Medikamentöse Therapie bei Arthrofibrose

Medikamente spielen eine wichtige Rolle in der konservativen Behandlung der Arthrofibrose. Folgende Wirkstoffe werden oft eingesetzt:

Prednisolon

Prednisolon ist ein Glukokortikoid, das entzündungshemmend und anti-fibrotisch wirkt. Es hemmt die Bildung von Zytokinen und anderen Entzündungsmediatoren, die zur Narbenbildung beitragen. Die Anwendung sollte jedoch kurzzeitig erfolgen, um Nebenwirkungen wie Osteoporose oder eine Unterdrückung der Immunabwehr zu vermeiden.

Propranolol

Propranolol ist ein Betablocker, der normalerweise zur Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen eingesetzt wird. Studien legen nahe, dass Propranolol die Fibroblasten-Aktivität reduziert und damit die Bildung von Narbengewebe hemmt. Zudem kann es zur Reduktion von chronischen Schmerzen beitragen, die bei Arthrofibrose auftreten.

Pregabalin (Lyrica)

Pregabalin ist ein Antikonvulsivum, das häufig zur Behandlung neuropathischer Schmerzen eingesetzt wird. Bei Arthrofibrose kann es helfen, Schmerzsensationen zu modulieren und somit die Lebensqualität der Patient:innen zu verbessern. Die Wirkung wird durch die Hemmung von Calciumkanälen in Nervenzellen vermittelt.

Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR)

NSAR wie Ibuprofen oder Diclofenac werden oft verwendet, um Entzündungen und Schmerzen zu lindern. Sie hemmen die Cyclooxygenase-Enzyme (COX-1 und COX-2) und reduzieren so die Bildung von Prostaglandinen, die für die Schmerz- und Entzündungsreaktion verantwortlich sind.


Langfristige Prognose und Empfehlungen

Mit einem konsequent umgesetzten, konservativen Therapieplan haben viele Betroffene gute Chancen, ihre Beweglichkeit und Lebensqualität zurückzugewinnen. Die wichtigsten Empfehlungen sind:

  • Frühe Diagnose: Schnelles Erkennen der Arthrofibrose und sofortige Einleitung einer angepassten Therapie ist entscheidend.
  • Individuelle Therapiepläne: Kein Knie ist wie das andere – die Behandlung muss an die individuellen Bedürfnisse angepasst werden.
  • Geduld und Konsequenz: Die Therapie erfordert Engagement und Ausdauer.


Fazit: Konservative Therapie statt erneute Operation

Arthrofibrose ist eine komplexe Komplikation, die Patient:innen vor große Herausforderungen stellt. Chirurgische Ansätze sind oft keine nachhaltige Lösung. Vielversprechender sind alternative Methoden, die auf konservative Maßnahmen setzen, um die Narbenbildung langfristig zu kontrollieren und die Lebensqualität wiederherzustellen. Hierbei ist oft ein Weniger an Manipulation und Reizung entscheidend.  Forcierte Übungen sind häufig nachteilhaft. Eine frühzeitige und gezielte Behandlung ist der Schlüssel zum Erfolg.

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